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König

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Konstitutionelle Monarchien...
entstanden meist nach revolutionären Unruhen im 19. Jahrhundert. Sie bildeten ein Zugeständnis an das jeweilige liberale Bürgertum. In Sachsen sah sich König Anton (1755 bis 1836), ein unerfahrener und schwacher Monarch, im September 1831 zu Konzessionen gezwungen und erließ eine Verfassung.

Diese erste sächsische Verfassung beließ allerdings den Löwenanteil der Macht beim Monarchen. Der war lediglich an die Mitwirkung seiner Minister im Rahmen des Kabinetts gebunden und an einhellige Entscheidungen beider Kammern des neuen Zweikammerparlaments.

Praktisch war garantiert, dass die Anhänger des Königs mindestens in der I. Kammer, einer traditionellen Ständeversammlung, über die Mehrheit verfügten. Insofern war die Verfassung von 1831 mit ihrem eingeschränkten Wahlrecht lediglich zur II. Kammer selbst nach den Maßstäben des Deutschen Bundes konservativ.

Generell begrenzen Konstitutionen die Macht von Monarchen nur mehr oder weniger. Ist der Monarch hingegen tatsächlich ohne wesentlichen politischen Einfluss, wie heute meist üblich, spricht man von einer parlamentarischen Monarchie. Während in konstitutionellen Monarchien etwa die Entlassung der Regierung in den Händen des Herrschers verbleibt, ist dies in der parlamentarischen Monarchie Obliegenheit des Parlaments.

In Sachsen vollzog man erst mit der zweiten Verfassung von 1868 einige Schritte hin zum Parlamentarismus. Das sächsische reiche Bürgertum, das eng verbunden mit dem Adel spätestens ab 1850 politisch dominierte, war an Rechts- und Eigentumssicherheit interessiert, nicht unbedingt an Demokratie.

Die Geschichte der sächsischen Monarchie endete mit dem republikanischen Vorläufigen Grundgesetz für den Freistaat Sachsen vom 25. Februar 1919. Wie in allen deutschen Staaten war dem die Abdankung des Monarchen vorausgegangen. Der letzte sächsische König war Friedrich August III., Johanns Enkel. Ihm werden die Worte zugeschrieben "Machd doch eiern Drägg alleene!" Einen Beleg hierfür gibt es nicht.

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Gründerzeit
Der Beginn der so genannten Gründerzeit fällt auf den Anfang der Industrialisierung. In Sachsen waren das bereits die 1820er Jahre. Während der folgenden Jahrzehnte setzte eine rasche soziale Polarisierung ein: Dem Reichtum weniger Kapitaleigentümer stand Massenelend gegenüber.

Das galt besonders für die großen Städte mit ihren Fabriken und ihrem Industrieproletariat. Die daraus resultierende politische Instabilität, vor allem bei wirtschaftlichen Abschwüngen, erhöhte den Druck auf die Monarchie. Prinzipiell richtete Johann I., wie alle deutschen Monarchen, seine Reformen jedoch an den Interessen des reichen Bürgertums aus.

Auf dem Höhepunkt der industriellen Gründerzeit, um 1850, expandierte der Eisenbahnbau und es wuchs die Nachfrage nach Kohle und Stahl. Regelrechte Industrieimperien, wie das der Krupps, erlangten quasi über Nacht Reichtum und politischen Einfluss. Ungefähr ab den 1860er Jahren verwandelte rege Bautätigkeit das Gesicht der Städte. Ganze Stadtviertel entstanden auf der "grünen Wiese".

Das Judentum erfuhr auch in Sachsen während der Gründerzeit seine politische Emanzipation. Der Anteil von Personen jüdischen Glaubens an den "Gründern" war überdurchschnittlich. Bankhäuser, wie das der Rothschilds, traten als Finanziers hervor. Als Ideologie der Gründerzeit kam der Wirtschaftsliberalismus zu überragendem Einfluss.

Wie andere deutsche Staaten, jedoch ein wenig früher und intensiver, erlebte Sachsen die Gründerzeit als Periode des Aufschwungs und sich zuspitzender Konflikte. Sachsen war 1871 das Land mit der höchsten Industriedichte, sowie mit dem höchsten Pro-Kopf-Nationaleinkommen in Deutschland, bei extrem ungleicher Verteilung.

Das rückständige politische System vertrug sich auffallend gut mit wirtschaftlicher Freiheit. So sicherte ein stark eingeschränktes Wahlrecht der kleinen Minderheit der Besitzer die Macht. Bei Unruhen eröffnete das königliche Militär das Feuer; der König nahm den mit der eingesetzten Gewalt verbundenen Imageverlust auf seine Kappe. Versammlungsverbote und Zensur stützten die Verhältnisse.

Andererseits entwickelte sich in Sachsen bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine gut organisierte und politisch aktive Arbeiterbewegung. Namen wie August Bebel und Wilhelm Liebknecht sind untrennbar mit der sächsischen Geschichte verbunden. Die Gründerzeit endete mit dem Börsencrash von 1873.

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Großdeutschland und Kleindeutschland
Die politische Form, in der Deutschland von 1815 bis 1866 bestand, war der Deutsche Bund. Preußen und Österreich, seine Hauptmächte, gehörten dem Deutschen Bund jeweils mit den Landesteilen an, die zuvor auch zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehört hatten.

Ziel des Deutschen Bundes war die Restauration der monarchischen Verhältnisse nach den Befreiungskriegen und dem Sturz Napoleons. Das Streben oppositioneller Kräfte nach deutscher Einheit, also nach Überwindung der Vielstaaterei, stand dabei gegen das monarchische Prinzip.

Wer die deutsche Einheit wollte, war in dieser Epoche Demokrat und - häufig - Republikaner. Während der Märzrevolution 1848 und dem Parlament in der Frankfurter Paulskirche erreichte die demokratisch-bürgerliche Einheitsbewegung ihren Höhepunkt.

Wie selbstverständlich war es Absicht der bürgerlichen Demokraten, einen großdeutschen Staat zu errichten, unter Einschluss Österreichs. Nach der Niederschlagung der Revolution von 1848, nicht zuletzt durch preußische Truppen, wurde allerdings die preußisch-österreichische Rivalität zur bestimmenden Größe im politischen Geschehen.

Preußens Kanzler Otto von Bismarck strebte von Beginn an eine Vereinigung Deutschlands auf kleindeutscher Basis an, unter preußischer Führung und unter Ausschluss Österreichs. Bismarck setzte sich durch, was die Gründung des (kleindeutschen) Deutschen Reichs 1871 zur Folge hatte.

Erst 1919 kam der Begriff Großdeutschland wieder zur Geltung, als eine Mehrheit der Bevölkerung im deutschsprachigen Rest-Österreich unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker für den Anschluss an das Deutsche Reich votierte. Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs verhinderten einen solchen Schritt.