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Ottonen

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Widukind von Corvey
Corvey, das Kloster an der Weser, war im 9. und 10. Jahrhundert ein Zentrum fränkischer Gelehrsamkeit. Seine Bibliothekare hüteten Schätze der Antike, darunter die Annalen des Tacitus und Schriften des Cicero. Könige besuchten es. Bischöfe gingen aus ihm hervor.

Der Mönch Widukind (um 925 bis 973) trat etwa 942 in das Kloster ein. Widukind war möglicherweise ein Nachkomme des mächtigen, ursprünglich heidnischen Sachsenherzogs Widukind, des erbitterten Gegenspielers Karls des Großen. Zu Lebzeiten des Mönchs Widukind galt es schon wieder als chic, einen solchen Vorfahren zu haben.

Widukinds Werk, die lateinisch geschriebene Sachsengeschichte, besteht aus drei Büchern: Das erste Buch reicht von der Frühgeschichte des Stammes der Sachsen bis zum Tod Heinrichs I. (936). Das zweite und dritte Buch umfasst die Zeit von der Thronerhebung Ottos des Großen bis zu dessen Tod am 7. Mai 973. Vorbild Widukinds war der römische Geschichtsschreiber Sallust.

Corvey und Widukind: Etwas anachronistisch gesprochen, erinnert das Verhältnis an die Tätigkeit heutiger Intellektueller in Thinktanks, also in Institutionen, die sowohl wissenschaftliche Arbeit betreiben als auch Politiker beraten. Die Widmung der Sachsengeschichte an Mathilde, Äbtissin von Quedlinburg, passt in dieses Bild.

Denn damit war das Geschichtswerk auch ein politisches Handbuch zum persönlichen Gebrauch. Nach Auffassung moderner Historiker spricht gerade Letzteres für den Wahrheitsgehalt der Sachsengeschichte.

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Die Liudolfinger
Als Stammvater der Liudolfinger (beziehungsweise Ottonen) galt zur Ottonenzeit - und gilt noch heute - der sächsische Graf Liudolf, der 866 verstarb. Liudolf gründete 853 das Kloster Gandersheim, das später eine ähnliche Rolle spielte wie Corvey.

Der Mönch Widukind hebt aus der frühen Ahnenreihe Otto den Erlauchten (gestorben 912) hervor, offenbar ein fähiger Politiker und Kriegsheld. Otto der Erlauchte war der Vater des ersten liudolfingischen Königs, Heinrich I. (876 bis 936).

In dynastischer Hinsicht war Heinrichs Hauptverdienst die Einführung der so genannten Individualsukzession: Von nun an erbte nur ein einziger Nachkomme das gesamte Herrschaftsterritorium, statt es unter mehrere Nachkommen aufzuteilen.

Otto I. ("der Große", Herrscher von 936 bis 973), Sohn Heinrichs I., ließ sich 962 von Papst Johannes XII. zum Kaiser krönen. Otto I. besiegte 955 auf dem Lechfeld endgültig die Ungarn. Nähreres zu seinem Leben und Wirken vermittelt ab dem 27. August 2012 die Landesausstellung Sachsen-Anhalt.

Neuer König und Kaiser war ab 973 Otto II., Sohn Ottos I. Er führte die Politik seines Vaters fort, die nach wie vor auf Stabilisierung der Reichseinheit, gegen den sporadischen Widerstand der Stammesherzöge zielte. Otto II. hinterließ bei seinem Tod 983 einen zweijährigen Sohn.

Nach der Wahl Ottos III. 983 zum deutschen König übernahm dessen Mutter bis 991 die Regentschaft. 996 krönte der Papst auch ihn zum Kaiser. Kaiser Otto III. verstarb schon 1002 und hinterließ keinen Erben.

Dennoch erwählten die Herzöge noch einmal einen Liudolfinger zum deutschen König: Ein Vetter Ottos III. und Urenkel Heinrichs I. bestieg als Heinrich II. 1002 den Thron. Heinrich II. starb 1024 wiederum ohne Erben. Mit ihm verschwand die Ottonendynastie aus der Geschichte. Die Herrschaft ging an die Salier über.