Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

August der Starke

Infobox

Die Angeberei mit dem Hufeisen
Im Februar 1711, vierzig Jahre alt, soll August ein Hufeisen mit bloßen Händen zerbrochen haben. Beflissene Diener fertigten von der Tat eine Urkunde an. Hufeisen und Zertifikat ließ August in der Kunstkammer aufbewahren. Das Volk jubelte dem "sächsischen Herkules" pflichtgemäß zu. Was steckte dahinter?

Kennzeichnend für August war die Sucht, im Mittelpunkt zu stehen. Dieses selbst von Zeitgenossen als auffällig vermerkte Verhalten hatte seine Wurzel in Friedrich Augusts Jugend. Vernünftigerweise durfte Friedrich August als zweitältester Sohn nie damit rechnen, mit 24 Jahren auf den Thron zu gelangen, wie es tatsächlich geschah. Der junge Mann fühlte sich zurückgesetzt und kompensierte; die Mittel waren Schauspielerei, Tafelgenüsse - und Frauen.

Bei fortschreitendem Alter trat der Charakterzug immer deutlicher zu Tage: Eitel verleugnete der Monarch Krankheit und Schwäche. Seine ungesunden Ess- und Trinksitten änderte August schon deshalb nicht, weil so etwas eine Konzession an das Alter gewesen wäre. Übergewicht, Diabetes, Geschwüre an den Füßen und andere Beschwerden plagten ihn immer schlimmer.

Bluthochdruck und akute Störungen des Fettstoffwechsels gaben August den Rest. Der eitle Herrscher erlag am 1. Februar 1733 um vier Uhr morgens einem Schwächeanfall mit Herzversagen. Er wurde 62 Jahre alt.

Infobox

Krone und Talmud
Berend Lehmann (1661 bis 1730) war ein jüdischer Kaufmann aus Hannover. Seine mannigfaltigen Beziehungen nach Osteuropa stießen bei Friedrich August I. auf Interesse. Im Zuge der Bewerbung des Kurfürsten um die polnische Krone wurde Lehmann 1696 Berater am Dresdner Hof.

Lehmann machte sich schnell unentbehrlich. Etliche Höflinge waren erstaunt über das Vertrauen, das der Hoffaktor, so die offizielle Bezeichnung, genoss. Im "Alleinauftrag" sanierte Lehmann den Haushalt. Dass "eine so wichtige Sache keinem geschickteren und geachteteren Mann als dem Monsieur Lehmann anvertraut wird", monierte die Gräfin von Königsmarck, eine ehemalige Mätresse des jungen Kurfürsten. In puncto Geschick hatte die Dame Unrecht.

Denn der Plan des Kurfürsten ging auf: Verkäufe und Verpfändungen brachten dem Hof und auch dem Hoffaktor viel Geld. 1697 kaufte sich Friedrich August I. die polnische Krone, sein Hofjude regelte alle Einzelheiten. Berend Lehmann bekam zehn Millionen Taler. Von nun an wurde Lehmann auch offiziell diplomatisch aktiv.

Den neu erworbenen Reichtum nutzte der einflussreiche Finanzmann, um in Halberstadt eine Synagoge und eine Bildungsstätte, die Klaus, bauen zu lassen. Heute befindet sich in dem traditionsreichen Gebäude die Moses-Mendelssohn-Akademie. Auch in Dresden erstarkte die jüdische Gemeinde dank Lehmanns Reputation.

Der Hofjude Augusts des Starken förderte den Druck des Talmud und wurde seiner Rolle als Lobbyist des Judentums am absolutistischen Hof gerecht. 1730 verstarb Berend Lehmann. Für sein kommunikatives und finanzielles Geschick wurde er geschätzt und gehasst. Das Berend-Lehmann-Museum in Halberstadt schildert sein Wirken.
Mehr dazu: Artikel über Berend Lehmann in Medaon, Magazin für jüdisches Leben.