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Die mystische Einheit...
von Oberhaupt und Volk - als Basis jeglicher Herrschaft: Relativ unmodern mutete so eine Theorie bereits zu Zeiten des letzten russischen Zaren an. Und sie war es auch, denn als "modern" galten ja die parlamentarischen Demokratien - zum Beispiel Großbritanniens und der USA -, wo gewählte Repräsentanten schon damals als Mittler des "Volkswillens" agierten.

Nur vier Jahre nach dem Tod Nikolai Romanows aber veränderte sich das Denken vieler Europäer: 1922 inszenierte Benito Mussolini seinen Marsch auf Rom und eroberte nach und nach diktatorische Macht im faschistischen Italien. Die gängige Staatstheorie des Faschismus gründete auf das Prinzip der Demokratie per Akklamation, also auf den Massenjubel zur Herrschaftslegitimation.

Mussolini - ähnlich wie später Hitler angeblich "wesenhaft" mit dem Volk verbunden -, und seine Bewunderer auch außerhalb Italiens, sahen gerade hierin die wahre, moderne Form der echten Volksherrschaft. Der Parlamentarismus mit seinen endlosen Debatten und umständlichen Instanzenzügen schien ihnen hingegen alt, korrupt und "verrottet". Bei dem Versuch, komplexe Gesellschaften aus der Intuition eines Einzelnen zu dirigieren, scheiterten allerdings sowohl Italiens "Duce" als auch der deutsche "Führer".